Samstag, 29. November 2008
Schmück Dich nur mit fremden Federn
wölb die breitgeschwellte Brust.
Tu, als wärest Du gewesen,
der die Form zu geben wußt’.
Mammut, hüte dich vor Spähern,
wolln dir deinen Lorbeer stehln.
Wenn die Kohlen aus dem Feuer,
leuchten ihre Krämerseeln.
Skeptisch zögern sie, zu lesen,
spannen auf die Folter dich.
„Anders werden muß hier alles,
viel zu lang und fürchterlich.“
Reißen an sich dann das Steuer,
machen ja den Unterschied.
„Jetzt ist’s endlich wohlgeraten,
hab’ mich heftig reingekniet.“
Und für den Fall des Falles,
daß jemand Zweifel hegt,
betonst Du laut und feurig:
„Erst ich hab’ was bewegt.“
Du unverschämter Worteklauber,
Schimpf und Schande Dir allein!
Wie tückisch wählst Du Deine Waffen,
um stets der Beste nur zu sein.
Ei, laß sehn, was Du geschaffen:
Hier ein Wort, und da zwei Zeiln.
Oh, was für ein fauler Zauber,
daran hattest Du so hart zu feiln?
Und keiner ahnt die üblen Taten,
wahrlich, klug versteckt.
Die Lüge wuchert weiter freudig,
bleibt ewig unentdeckt!
Montag, 24. November 2008
Mammut, unterjocht
das ist Mammut, alter Gaul.
Abgehalftert, morsche Knochen,
Gebrechen plagen es seit Wochen.
Disziplin treibt es zur Tat,
morgens stundenlang im Bad.
Bürstet Zähne wie besessen,
wäscht und pflegt, kann dann was essen.
Verrichtet seine Pflichten stur,
träumt insgeheim von einer Kur.
Ach, Ferien wären wunderschön,
im Meer mal wieder Baden gehn!
Doch das bleibt hehrer Wunsch allein,
Mammut soll lieber Sklave sein!
Erwartet werden Schaffensdrang
und Subordination sodann.
Ein magrer Lohn sei seine Beute,
spendet es Wortkunst fremder Meute.
Und weiß bereits, eh’s angefangen,
man wird ihm alles abverlangen.
Anstelle sein Talent zu pflegen,
soll sich’s verbiegen, derentwegen.
Mammut jedoch muß rebellieren,
sonst wird es den Verstand verlieren!
Indes, es bleibt ihm streng verwehrt,
zu tun, was es so sehr begehrt.
Sanktionen drohn am Horizont,
flieht Mammut die Kaltwetterfront.
Drum harrt es aus, statt fortzulaufen,
begnügt sich nur mit Haareraufen.
Sucht zähneklappernd Hoffnungsschimmer:
„Nun gut, es ist ja nicht für immer!“
Sonntag, 23. November 2008
Mammuts Seele liegt darnieder...
Mammuts Seele liegt darnieder...
– Mh, was hat es denn schon wieder?
Schmerz mental, gar ohne Grund,
reißt sein Bewußtsein in den Schlund.
Kann keine Freude mehr empfinden,
des Daseins Kummer nicht verwinden.
Sieht überall nur bösen Willen,
ein jeder Tag voll bittrer Pillen.
Seine Sehnsucht macht es krank,
wo bleibt der heilend Zaubertrank?
Denkt es an morgen, wird ihm graus,
dann ist das Leben gänzlich aus.
Nur dunkle Wolken ziehn am Himmel,
indes herum glücklich Gewimmel.
Frohe Leut gehn ihrer Wege,
Mammuts Geist steht auf der Schräge.
Es pocht und hämmert, dräut und tost,
das Rüsseltier: nicht mehr bei Trost.
Fossil, versteinert, ausgestorben,
das letzte seiner Art – verdorben.
Am Ende, völlig abgewrackt,
das Hirn tanzt Tango, splitternackt.
Wahn und Irrsinn, traut und innig,
Nebelschwaden – warum bin ich?
